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Berner Generationenhaus

Generationen-Barometer 2021: Was Jung und Alt bewegt

Mercredi, 10.11.2021

Das Berner Generationenhaus hat in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut sotomo zum zweiten Mal eine repräsentative Studie (Generationen-Barometer) zur Lage der Generationen in der Schweiz durchgeführt. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass nur jede fünfte Person glaubt, dass die Gesellschaft zwischen Alt und Jung auseinanderzudriften droht. 

Generationen-Barometer 2021: Die Studie zur Lage der Generationen

Die gute Nachricht vorneweg: In der Schweiz wird kein genereller Konflikt zwischen den Generationen wahrgenommen. Nur 21 Prozent der Befragten sehen eine gesellschaftliche Bruchlinie zwischen Jung und Alt. Der Gegensatz zwischen Coronamassnahmen-Befürwortenden und -Kritischen wird mit 77 Prozent Nennungen als bedeutendste gesellschaftliche Bruchlinie der Schweiz eingeschätzt – noch vor dem Links-Rechts- und dem Stadt-Land-Graben. Die Zahl der Nennungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Der Gegensatz zwischen Jung und Alt steht an sechster Stelle.

 

Gleichzeitig zeigt das Generationen-Barometer, dass die Corona-Pandemie zu einer grundlegenden Neubewertung des Generationenverhältnisses beigetragen hat. Neben den Hochbetagten werden neu auch Teenager und junge Erwachsene als besonderes verletzlich und benachteiligte Gruppen wahrgenommen. 

 

Was bewegt die Generationen und was belastet sie? Wie wird der Zusammenhalt zwischen den Generationen eingeschätzt? Und welche politischen Massnahmen und Reformen können die Balance zwischen den Generationen verbessern? Einmal im Jahr fühlt das Berner Generationenhaus in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut sotomo der Schweizer Bevölkerung den Puls in Generationenfragen.

Das erloschene Generationenversprechen

Was die allgemeine Lage der Generationen angeht, bestätigt das aktuelle Generationen-Barometer die Tendenz der letztjährigen Ausgabe: Die Befragung zeigt generell zufriedene und privilegierte über 65- Jährige, 35- bis 54-Jährige, die vom Millionenlos, dem Aussteigen und dem Nichtstun träumen und junge Erwachsene, denen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft fehlt. Grundsätzlich offenbart das Generationen-Barometer einen ausgeprägten Zukunftspessimismus: Das Generationenversprechen, wonach jede neue Generation bessere Lebensbedingungen vorfindet als vorangegangene scheint erloschen.

 

Dies bestätigt der Fokus der Befragung nach wünschbaren Zukunftsszenarien für das Jahr 2051 – 30 Jahre in der Zukunft. Diese 30 Jahre entsprechen rund einer Generation. Bis ins Jahr 2051 erwartet die Bevölkerung der Schweiz in verschiedenen Gesellschaftsbereichen – von der Umwelt über die Digitalisierung bis zur Arbeitswelt – grosse Umbrüche. Nur die wenigsten dieser Umbrüche werden mit positiven Erwartungen verbunden: Weder eine Lebenserwartung von über 100 Jahren noch die Vorstellung aufgrund des digitalen Wandels viel weniger arbeiten zu müssen erscheinen den Befragten als besonders wünschenswert. Die untersuchten Zukunftsvisionen für das Jahr 2051 vermögen kaum positive Sehnsüchte zu wecken. Die Vorstellung, dass jede neue Generation bessere Lebensbedingungen vorfindet als die vorangegangene hat an Kraft verloren. Das Generationen-Barometer zeigt aber auch, dass die Schweizer Bevölkerung sich um die Lebenswelt künftiger Generationen sorgt: 58 Prozent der Befragten befürworten die Einführung einer Kommission, welche die Interessen zukünftiger Generationen in den politischen Prozess einbringt.

Die wichtigsten Ergebnisse aus dem Generationen-Barometer 2021 im Überblick

Konflikte und Zusammenhalt 

  • Corona-Graben ist die neue Hauptbruchlinie: Mit 77 Prozent Nennungen wird der Gegensatz zwischen Massnahmenbefürwortenden und -kritischen Personen heute als bedeutendste Bruchlinie der Schweiz eingeschätzt – noch vor dem Links-Rechts- und dem Stadt-Land-Graben. Die Zahl der Nennungen hat sich innerhalb eines Jahrs verdoppelt. Der Gegensatz zwischen Jung und Alt wird dagegen weniger häufig als Bruchlinie bezeichnet (vgl. Abb. 2 in der Studie).
  • Neues gesellschaftliches Bewusstsein für junge Menschen: Das zweite Pandemiejahr hat zu einer grundlegenden Wahrnehmungsveränderung geführt. Das gesellschaftliche Bewusstsein für die Benachteiligung von Teenagern und jungen Erwachsenen hat stark zugenommen. Nicht nur in Bezug auf die Folgen der Pandemie, sondern explizit auch darüber hinaus (vgl. Abb. 4, 5 in der Studie).
  • Gegensatz zwischen 3. und 4. Lebensalter: Während die Hochbetagten als die am meisten benachteiligte Altersgruppe wahrgenommen werden, gelten die jüngeren Älteren erstmals als eine der am meisten begünstigten. Dies Bevölkerung unterscheidet zunehmend zwischen dem goldenen dritten und dem vulnerablen vierten Lebensalter. Der pauschale Bezug auf die «ältere Bevölkerung», wie er in der Politik häufig gemacht wird, zielt an der Lebensrealität vorbei (vgl. Abb. 4, 5 in der Studie).

Massnahmen für die Generationenbalance

  • Mehr Zustimmung für Stimmrechtsalter 16: Zwar spricht sich weiterhin eine klare Mehrheit gegen die Senkung des Stimmrechtsalters von 18 auf 16 Jahre aus. Die Zustimmung zur Erhöhung des Stimmengewichts der jüngeren Generation ist im Vergleich zum Vorjahr jedoch von 29 auf 36 Prozent gestiegen (vgl. Abb. 13 in der Studie).
  • Mehrheit für Kommission für zukünftige Generationen: Die Einführung einer Kommission, welche die Interessen zukünftiger Generationen in den politischen Prozess einbringt, stösst bei der Schweizer Bevölkerung auf Wohlwollen. 58 Prozent der Befragten sprechen sich für ein solches Gremiums aus (vgl. Abb. 14 in der Studie).
  • Anhaltend populärer Gemeinschaftsdienst: 71 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz befürworten die Einführung eines obligatorischen Gemeinschaftsdiensts für alle. Die Zustimmung ist im Vergleich zum Vorjahr leicht um 3 Prozentpunkte gesunken (vgl. Abb. 16 in der Studie).
  • Unterstützung für Rentenreform mit Lebensarbeitszeit: 63 Prozent (Vorjahr 62%) beurteilen den Übergang von einem fixen Rentenalter zur Lebensarbeitszeit positiv. Beim vorgeschlagenen Modell gehen Personen mit längerer Ausbildungszeit später in Pension als heute. Dieser Ansatz hat Chancen, weil Personen mit tertiärer Ausbildung heute noch in der Minderheit sind. Zugleich lehnen diese das Modell nur zu 54 Prozent ab, weil länger zu arbeiten für diese Gruppe offenbar am akzeptabelsten ist (vgl. Abb. 22 in der Studie).

Die Welt im Jahr 2051 – Fokus des Generationen-Barometers 2021

  • Furcht vor Unbewohnbarkeit grosser Teile der Erde: 70 Prozent halten es für wahrscheinlich, dass bis 2051 in der Schweiz kaum noch fossile Brennstoffe verwendet werden. 61 Prozent gehen allerdings auch davon aus, dass bis dann aufgrund des Klimawandels ein Fünftel der Erde unbewohnbar ist. Die Schweizer Bevölkerung ist zwar von einem nahen Ende des fossilen Zeitalters überzeugt und sie geht dennoch von gewaltigen Auswirkungen des Klimawandels für Mensch und Umwelt aus (vgl. Abb. 26 in der Studie).
  • Fleischessen als das neue Rauchen: Eine Mehrheit der befragten Frauen geht davon aus, dass in 30 Jahren der Fleischverzehr ebenso verpönt ist wie heute das Rauchen – Männer sind skeptischer (vgl. Abb. 29 in der Studie).
  • Frauen hängen Männer ab: Sowohl Frauen als auch Männer halten es mehrheitlich für wahrscheinlich, dass 2051 mehr Frauen Karriere machen als Männer. Erstaunlicherweise sind vor allem die älteren Befragten davon überzeugt. Es sind die Älteren, die von der «Göttlichen Ordnung» bis heute schon einen langen Weg der Frauen miterlebt haben (vgl. Abb. 29, 30 in der Studie).
  • Keine Sehnsucht nach Langlebigkeit: Während einige der untersuchten Zukunftsbilder als wahrscheinlich eingeschätzt werden, wir kaum eines als wünschenswert erachtet. Nur 38 Prozent sehen in Robotern und Computern, welche die meiste Arbeit übernehmen, eine Rückkehr ins Paradies. Nur gerade 9 Prozent wünschen sich einen grossen Sprung in der Langlebigkeit und einen Anstieg der Lebenserwartung auf über 100 Jahre. Die erwartete Zunahme der Demenzerkrankungen bis 2051 scheint dem Wunsch nach Langlebigkeit entgegenzuwirken (vgl. Abb. 31 in der Studie).
  • Fehlende Fortschrittserzählung: 62 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer blicken eher pessimistisch ins Jahr 2051. Ein möglicher Zugewinn an Komfort allein ist heute in der wohlhabenden Schweiz kein hoffnungsvolles Versprechen mehr. Die als wahrscheinlich erachteten Zukunftsszenarien bergen vielmehr eine Vielzahl von Ungewissheiten und stellen die gewohnten Lebenswiesen infrage. Es gehört zu den Merkmalen unserer Zeit, dass eine positive Fortschrittserzählung nur noch schwer zu vermitteln ist (vgl. Abb. 34 in der Studie).

Zufriedenheit und Lebensqualität gemäss dem Generationen-Barometer

  • Covid-19-Pandemie als Erfahrung fürs Leben: 42 Prozent gewichten die zusätzliche Lebenserfahrung aufgrund der Pandemie höher als die Erfahrungen, die aufgrund der Pandemie verpasst worden sind. Nur 17 Prozent sagen das Gegenteil. Dazu gehören vor allem Junge. Ebenso viele junge Erwachsene nehmen die Pandemie jedoch bereits jetzt als prägende Erfahrung fürs Leben wahr. Die Untersuchung zeigt aber auch: Erfahrungen machen einem zwar reifer, aber nicht unbedingt zufriedener (vgl. Abb. 35, 36 in der Studie).
  • Positive Neubewertung der reifen Jahre: Die Folgen der Pandemie belasten insbesondere junge Menschen. Das wirkt sich erstaunlicherweise auch auf die Einschätzung der besten Jahre im eigenen Leben aus. Bei den über 50-Jährigen hört im Vergleich zum Vorjahr die beste Lebensphase 5 Jahre und mehr Jahre später auf (vgl. Abb. 38 in der Studie).
  • Verlorenes Generationenversprechen: Die 1970er-Jahre bilden eine Art Wasserscheide: Wer vorher geboren wurde, ist mehrheitlich der Ansicht, die Lebensqualität der Eltern war schlechter als die eigene. Wer in den 1980er-Jahren oder später auf die Welt gekommen ist, glaubt offensichtlich nicht mehr an das alte Generationenversprechen, gemäss dem jede neue Generation etwas bessere Lebensbedingungen haben sollte. Sie bewerten die Lebensqualität der Eltern mehrheitlich besser als die eigene (vgl. Abb. 39 in der Studie).

Gutes und richtiges Leben

  • Genügend Geld zum Leben: Der monatliche Geldbetrag, um ganz zufrieden zu sein, steigt gemäss Selbstangabe im Lauf des Lebens von 4000 auf 8000 Franken. Dennoch sagen am meisten Befragte, dass es ihnen im Leben am meisten zwischen 20 und 29 Jahren an Geld gefehlt hat (vgl. Abb. 44, Abb. 45 in der Studie).
  • Polyamorie gewinnt an Akzeptanz: 61 Prozent der 18- und 25-Jährigen sind der Ansicht, dass nichtmonogame Beziehungsformen in Zukunft normal und akzeptiert sein werden. Von den 66- bis 75-Jährigen denken das nur 31 Prozent. Seit der Vorjahresbefragung ist diese Erwartung insgesamt von 54 auf 59 Prozent gestiegen. Beides deutet auf einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel hin (vgl. Abb. 50 in der Studie).

Klimawandel: Verhaltensänderung oder Innovation

  • Geht es um den Kampf gegen den Klimawandel, fordern die jungen Erwachsenen eine Abkehr von einem klimaschädlichen Lebensstil, während die über 35-Jährigen die Förderung von klimafreundlichen Technologien bevorzugen. Interessant sind aber insbesondere auch die Einschätzung der richtigen Klimastrategie nach politischer Orientierung (vgl. Abb. 55, 56 in der Studie).

Über das Generationen-Barometer 2021

Die Studie des Berner Generationenhaus widmet sich den Generationenbeziehungen in der Schweiz. Sie untersucht nicht nur Konflikte und Spannungsfelder, sondern thematisiert auch Lösungsansätze zur Verbesserung der Generationenbalance – etwa im Bereich der Altersvorsorge. Die Studie zeigt, wie es um die Zufriedenheit und Lebensqualität der Generationen steht und was diese unter gutem und richtigem Leben verstehen. Das diesjährige Schwerpunktthema ist «Die Welt im Jahr 2051». Bis zum Jahr 2051 dauert es noch genau dreissig Jahre – dreissig Jahre sind eine Generation. Dabei dreht sich alles um 14 konkrete Zukunftsbilder: Welche Entwicklungen sind wünschenswert? Und welche wahrscheinlich? Mit der zweiten Ausgabe des Generationen-Barometers macht das Berner Generationenhaus einen weiteren Schritt zu einem langfristigen Monitoring der Generationenbeziehungen in der Schweiz. Das Forschungsinstitut sotomo hat hierfür 4162 Personen ab 18 Jahren aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz befragt und die Antworten ausgewertet. Die Ergebnisse sind statistisch gewichtet und somit repräsentativ die sprachlich integrierte Wohnbevölkerung der deutsch-und französischsprachigen Schweiz.

 

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