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Bild des Benutzers Michael Hausammann

Kurzkritik des ersten Teils der Reportage Jung trifft alt – Eine

Enya, Friedrich und Pascal fahren nach Mallorca. Für Anfang 20-jährige sind das ganz entspannte Ferien. Aber sie reisen nicht alleine und damit wird es spannend: Fünf Senioren begleiten die Jungen – rund um die Uhr. Auch nachts: Doppelzimmer. Wie wird das ausgehen? Werden die durchaus vorhandenen Erwartungen und Vorurteile auf beiden Seiten bestätigt oder finden die Generationen zueinander? Dieser Ausflug hat eine Vorgeschichte und damit beginnt die zweiteilige Reportage von Sabine Aisch. Innerhalb von drei Wochen begegnen sich Junge und Ältere im Wohn- und Pflegestift in Schwäbisch Hall. Danach geht es auf die Ferieninsel und schliesslich wohnen die Alten bei den Familien der Jungen. Das Verdienstvolle des Films ist vor allem seine Klarheit. Das dieses Aufeinandertreffen von Jung und Alt keine alleinigen Schmusestunden werden, wird nach den ersten Statements der Protagonisten offensichtlich. Senioren „sind bevormundend und besserwisserisch“ und „nerven“ deshalb. Jugendliche legen oft ein Verhalten an den Tag „das hätte es bei uns früher nicht gegeben“ – wissen die Senioren. Auch wenn sie schon seit Jahren keinen Jugendlichen mehr getroffen haben. Doch diese kontroversen Aussagen und die aus diesen Haltungen entstehenden Meinungsverschiedenheiten lässt der Film kommentarlos stehen. Er wertet nicht sondern reportiert reale und ungeschminkte Situationen. Und diese stellen sich z.B. als Meinungsumschwung von „den Anderen lieb-haben“ zu einer abgrundtiefen Enttäuschung dar, wenn das Gegenüber andere Lebensmaxime verfolgt als man selber. Hier stösst man an die eigenen Grenzen die man zuvor noch viel weiter geglaubt hat. Die handelnden Personen sind glaubhaft und in sich stimmig. Die einzelnen Episoden deuten das Bemühen aller an, mit der anderen Generation ins Gespräch zu kommen. Man hat eine Ahnung, das wenn man sich auf den anderen einliesse, dann bekäme man auch etwas zurück. Aber genau darin besteht die Herausforderung: Eine Begegnung auf Augenhöhe zuzulassen und sich für die Eigenheiten und Bedürfnisse des Anderen zu öffnen. In diesem Sinn ist die Reportage ein Lehrstück, das ich jedem, egal welchen Alters, empfehlen kann. Bewegung und Sport sind im Film als Begegnungsraum mehrfach vertreten. In der mallorcinischen Finca wird abends mit einer Spielkonsole via Bildschirm gekegelt, ein Tandem-Fallschirmsprung wird für den zweiten Teil des Films angekündigt und Ruth Hübner (83) geht nach langer Krankheit endlich wieder baden. Zeit ihres Lebens war sie eine begeisterte Schwimmerin und mithilfe der Jungen taucht sie ins Meer ein und ist glücklich. Der zweite Teil des Films wird am 30.7. um 22:40 Uhr in der ARD gezeigt. Er wird danach – ebenso wie der erste Teil – in der ARD-Mediathek online verfügbar sein. http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentatio... Ausstrahlung des Films in Originallänge im SWR-Fernsehen: 10., 17. und 24. Oktober 2012, jeweils 20:15 Uhr
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