Direkt zum Inhalt

Generationenverbindendes Engagement in Kitas und Schulen

Mittwoch, 16.12.2020
Senioren unterstützen in der Schule und im Kindergarten

In Kooperationen zwischen staatlicher Gemeinde und Zivilgesellschaft

Wenn junge Menschen in Kitas und Schulen spielen und lernen oder sich auf den Berufseinstieg vorbereiten, werden sie nicht nur durch das pädagogische Team der von ihnen besuchten Einrichtungen begleitet. Sie können auch auf Unterstützung aus ihrem kommunalen Umfeld zurückgreifen. Bereits das Lernen im Kindergarten wird durch zahlreiche externe Angebote erweitert und ergänzt. Die Kinder werden von Lese-Omas besucht oder machen einen Ausflug zur Freiwilligen Feuerwehr. In der Schule gibt es dank externer Initiativen Arbeitsgemeinschaften und Projekte zu einer Vielfalt gesellschaftsrelevanter Themen wie Umweltbildung, gesunde Ernährung und Bewegung oder soziales Miteinander. Außerdem werden Schülerinnen und Schüler angeregt, sich aktiv in das Gemeindeleben einzubringen und Verantwortung zu übernehmen – ob durch die Mitgestaltung von Festen oder gemeinsame Müllsammelaktionen. Im Übergangsbereich bieten freiwillig engagierte Coaches persönliche Starthilfe beim Einstieg in Ausbildung und Beruf (dazu mehr: Schlimbach 2010). Die Angebotspalette ist vielfältig und nicht nur von den zivilgesellschaftlichen Organisationsstrukturen vor Ort abhängig. Sie ist auch entscheidend an das persönliche Engagement von Schlüsselpersonen der kommunalen Bildungslandschaft geknüpft.

Generationenverbindende Unterstützung aus der Zivilgesellschaft

Viele dieser Angebote setzen – explizit oder implizit – auf generationenübergreifenden Austausch. Dabei macht sich intergenerationelles Lernen – je nach verwendetem Generationenbegriff – die unterschiedlichen Wissens-, Erfahrungs- und Wertehorizonte von Menschen verschiedener Lebensphasen zunutze (Schmidt-Hertha 2014). Der Bildungsbereich bietet zahlreiche Möglichkeiten für generationenübergreifendes Lernen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die traditionelle Wissensvermittlung von Alt nach Jung. Das zeigen beispielsweise Medienprojekte, in denen Schülerinnen und Schüler mit älteren Menschen den Umgang mit dem Smartphone üben. Angesichts rasanter Veränderungen in der Produktion und (zunehmend digitalen) Verbreitung von Wissen und seiner immer kürzeren Halbwertszeit geht es um ein Mit-, Von-  und Übereinander lernen (Franz 2014).

Gemeinsame Verantwortung für Bildung

In Bildungsdebatten nimmt zivilgesellschaftliches Unterstützungspotenzial viel Raum ein, wird aber in der kommunalen Praxis oft noch zu wenig berücksichtigt. Dabei wird die Gestaltung von Bildungsmöglichkeiten von jungen Menschen längst nicht mehr als isolierte staatliche Aufgabe verstanden. In diesem Sinne sind lokale Bildungslandschaften als „Verantwortungsgemeinschaften“ (Duveneck und Volkholz 2011; Weiß 2011) zu sehen, in denen die relevanten Akteure vor Ort – Eltern, Politik und Verwaltung, Bildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft – zur Zusammenarbeit aufgerufen sind. Viele Gemeinden setzen in ihrer bildungsbezogenen Kommunalpolitik zunehmend auf Verantwortungsteilung, aktive Einbindung und Mitbestimmung; und damit auf das lokale Sozialkapital (Putnam 1995). Als Mitgestalterin von Bildungslandschaften ist die Zivilgesellschaft dennoch oft noch unzureichend eingebunden.

DJI untersucht zivilgesellschaftliche Bildungskooperationen in Kommunen

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) untersucht daher im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Zusammenarbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen untereinander und mit kommunalen Akteuren. Im Projekt ZivilKoop werden kommunale Kooperationsbeziehungen von zivilgesellschaftlichen Organisationen betrachtet, die sich in den Bildungsbereichen Kita, Schule und Übergang Schule-Beruf engagieren. Dafür werden in vier Untersuchungskommunen zivilgesellschaftliche und kommunale Akteure mit verschiedenen Methoden befragt. Untersucht werden unter anderem folgende Fragen:

  • Wie sind kommunale Netzwerke im Bildungsbereich konkret zusammengesetzt, wer sind die Schlüsselpersonen in der Gestaltung von Bildungslandschaften, wer ist noch zu wenig eingebunden?
  • Welche Aufgaben übernehmen Akteure, die sich zivilgesellschaftlich im Bildungsbereich engagieren?
  • Wie genau gestalten sich die Kooperationsbeziehungen dieser Akteure? Welche Themen werden dabei bearbeitet und ausgehandelt?
  • Worin liegt der Mehrwert dieser Akteure für eine bessere Bildungsförderung und wie können ihre Potenziale besser ausgeschöpft werden?

Zivilgesellschaftliches Engagement im Bildungsbereich - Diskutieren Sie mit!

Das Projekt verfolgt einen partizipativen Ansatz. Die Akteure vor Ort werden als Co-Forscherinnen und Co-Forscher involviert (Reason und Bradbury 2008). Sie werden eingeladen, thematischen Input zu geben und Zwischenergebnisse gemeinsam mit dem Projektteam zu diskutieren. Außerdem sollen in einem dialogischen Prozess auf der Basis der empirischen Befunde kommunalpolitische Handlungsstrategien weiterentwickelt werden. Damit wird das spezifische Feldwissen aus Kommune und Zivilgesellschaft eingebunden.

Das Projekt betreibt einen Blog, um gemeinsam erarbeitete Ergebnisse zeitnah vorzustellen. Zudem erscheinen in regelmäßigen Abständen Beiträge aus Wissenschaft und Praxis rund um das Thema zivilgesellschaftliches Engagement und Bildung.

 

 

Arbeiten Sie zu einem ähnlichen Thema? Externe Blogbeiträge mit Bezügen zu Zivilgesellschaft und kommunaler Bildung sind herzlich willkommen. Schreiben Sie einfach eine E-Mail mit Ihrer Idee für einen Blogbeitrag an: kanamueller@dji.de.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt ZivilKoop finden Sie hier.

 

 

Ein Blogbeitrag von Tabea Schlimbach. Tabea Schlimbach ist Erziehungswissenschaftlerin und wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut  DJI im Forschungsbereich Übergänge im Jugendalter. Zu ihren Interessengebieten gehören u.a. Übergänge in den Beruf und Generationenbeziehungen.

 

Foto: Senioren im Klassenzimmer, Pro Senectute Solothurn  

 

Weiterführende Informationen

Literaturverzeichnis

Duveneck, Anika; Volkholz, Sybille (2011): Kommunale Bildungslandschaften. Berlin (Schriftenreihe zu Bildung und Kultur, 9).

 

Franz, Julia (2014): Intergenerationelle Bildung. Lernsituationen gestalten und Angebote entwickeln. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag (Perspektive Praxis).

 

Putnam, Robert D. (1995): Bowling alone: America´s declining social capital. In: Journal of Democracy 6 (1), S. 65–78.

 

Reason, Peter; Bradbury, Hilary (2008): Introduction. In: Peter Reason und Hilary Bradbury (Hg.): The Sage handbook of action research. Participative inquiry and practice. 2. ed. London: Sage, 1-10.

 

Schlimbach, Tabea (2010): Intergenerational mentoring in Germany: older people support young people's transitions from school to work. In: Working with older people 14 (4), S. 4–15.

 

Schmidt-Hertha, Bernhard (2014): Different Concepts of Generation and their Impact on Intergenerational Learning. In: Bernhard Schmidt-Hertha, Sabina Jelenc Krašovec und Marvin Formosa (Hg.): Learning across generations in Europe. Contemporary issues in older adult education. Rotterdam, Boston, Taipei: SensePublishers (Research on the education and learning of adults, Volume 2), S. 143–155.

 

Weiß, Wolfgang W. (2011): Kommunale Bildungslandschaften. Chancen, Risiken und Perspektiven. Weinheim: Juventa-Verl. (Veröffentlichungen der Max-Traeger-Stiftung, 48). Online-Rezension hier verfügbar.

Kommentar hinzufügen
Möchten Sie unseren Newsletter abonnieren?
Sprache ändern

Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft