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Gemeinsam stärker – Solidarität über die Generationengrenzen hinaus

Donnerstag, 15.04.2021
Generationenbegegnung in Corona-Zeiten: Jung und Alt treffen sich in der Pandemie mit Abstand und Maske

Zwei Perspektiven zur Generationensolidarität in der Corona-Krise

Die Solidarität zwischen den Generationen in der Corona-Pandemie ist ein wichtiges Thema und zentral für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Gerade in der Corona-Krise wird immer mehr deutlich, dass dabei auch eine ausserfamiliäre Generationensolidarität notwendig ist. Doch wie steht es aktuell um die Generationensolidarität? Was beschäftigt Jung und Alt besonders? Wo liegen die Knackpunkte und was braucht es, um gerade die ausserfamiliäre Solidarität zu stärken? Intergeneration hat zwei Akteure aus dem Alters- und Jugendbereich eingeladen, ihre Perspektiven darzustellen. In zwei Gastbeiträgen präsentieren die Pro Juventute (Direktorin Katja Schönenberger) und die Pro Senectute (Direktor Alain Huber) ihre Sicht. Der Gastbeitrag der Pro Juventute finden Sie hier: «Gefordert und solidarisch: Jugend in Zeiten von Corona».

Gemeinsam stärker – Solidarität über die Generationengrenzen hinaus

Ein Gastbeitrag von Alain Huber, Direktor Pro Senectute

 

Corona hat die Schweiz seit einem Jahr im Griff. Das ist eine grosse Herausforderung für alle – auch für Pro Senectute, die in allen Landesteilen den älteren Menschen und ihren Angehörigen zur Seite steht. Diese Krise zeigte die Fragilität der «Normalität» auf und welch wichtige Rolle der Generationenzusammenhalt für das Funktionieren der Gesellschaft einnimmt. Das Credo unserer Organisation «Gemeinsam stärker» bewahrheitete sich vor diesem Hintergrund einmal mehr: ob im Sinne des Generationendialogs oder in unserer täglichen Arbeit. So leisteten die 24 kantonalen und interkantonalen Pro Senectute Organisationen in den letzten zwölf Monaten einen Kraftakt, um abzuklären, wer welche Hilfe benötigt. Sie stellten zusätzlich zu ihren bisherigen Unterstützungsangeboten unkompliziert und schnell diverse weitere Hilfsleistungen auf die Beine, um Menschen, die besonders vor dem Coronavirus geschützt werden müssen, den schwierigen Alltag innerhalb der eigenen vier Wände zu erleichtern. Beispielsweise mit TV-Mitmachsendungen für Sport und den Erhalt der Beweglichkeit für daheim, mit diversen Betreuungsdienstleistungen oder etwa der Versorgung mit Lebensmitteln und Gegenständen des täglichen Bedarfs. Das Generationenprojekt AMIGOS wuchs durch die grosse Solidarität der jüngeren Bevölkerung gar binnen Jahresfrist zum grössten Freiwilligennetzwerk des Landes. Das beweist nicht nur, dass die Bereitschaft, in einer Notsituation zu helfen, gross ist, sondern auch, dass die zahlreichen älteren Freiwilligen, die plötzlich nicht mehr aktiv im Einsatz stehen konnten, systemrelevant sind. Jetzt geht es also darum, durchzuhalten, weiterhin über die Generationengrenzen hinaus Unterstützung anzubieten, und diese verschiedenen Dienstleistungen für die besonders gefährdeten Menschen aufrechtzuerhalten.

Rückzug und Verlust von sozialen Kontakten

Viel ältere Menschen leben nun schon sehr langen zurückgezogen, um sich zu schützen. Nach einer so langen Zeit sind auch wir immer wieder gefordert, an sie zu denken, bei ihnen anzurufen, nachzufragen, wie es geht oder ob man einen Einkauf oder einen Gang zur Post für sie erledigen kann. Denn der coronabedingte Rückzug ins Private geht mit einem Verlust an sozialen Kontakten einher. Die Ungewissheit, wie lange die Zeit der Entbehrungen und vor allem der sozialen Isolation noch dauern wird, belastet zusätzlich. Es stellen sich Fragen wie: Wann darf ich meine ganze Familie regelmässig wiedersehen? Wann kann ich wieder autonom per ÖV unterwegs sein? Wann stellt Alltägliches wie der Einkauf im Lebensmittelgeschäft kein grosses Risiko mehr dar? Nun, da der Bund bald wieder kontinuierlich die Massnahmen lockert, wird es zentral sein, durchzuhalten, sich keinem Risiko einer Ansteckung auszusetzen und die Hilfsangebote – von der telefonischen Beratung durch eine unserer über 130 Anlaufstellen im ganzen Land über den Einkaufs- und Lieferservice «AMIGOS», einen der vielen Pro Senectute Mahlzeitendienste bis zur Möglichkeit, den Pöstler an die Haustür zu bestellen – in den nächsten Wochen, vielleicht sogar Monaten, weiterhin in Anspruch zu nehmen.

Impfen: Frage der Solidarität von Jung und Alt

Die COVID-19-Impfung ist für Pro Senectute ein Silberstreifen am Horizont. Sie gibt Hoffnung, bald einfacher mit dem Virus leben zu können. Die Impfung soll dazu beitragen, dass so wenig Menschen wie möglich krank werden. Insbesondere schwere und tödlich verlaufende COVID-19-Erkrankungen gilt es zu vermeiden. Die Reduktion der Krankheitsfälle liegt nicht nur im Interesse jedes Einzelnen, sondern auch der gesamten Gesellschaft. Je weniger Menschen krank werden, desto geringer ist die Gefahr, dass das Gesundheitssystem überlastet wird. So ist es für Pro Senectute eine Frage der Solidarität von Jung und Alt, sich – wenn immer möglich – impfen zu lassen.

Solidarität der Generationen – kein Ausspielen 

Es bleibt zu hoffen, dass wir alle auch etwas Positives aus dieser Krise mitnehmen können. Wir sehen heute, dass wir als Gemeinschaft – Jung und Alt, gesunde und besonders gefährdete Menschen – in den letzten schwierigen Wochen sehr gut funktioniert haben. Die Erkenntnis, dass wir gemeinsam, als Gesellschaft, viel durchstehen und meistern können, wird Einfluss haben auf das Zusammenleben und die Bewältigung künftiger Herausforderungen. Täglich empfangen wir bei Pro Senectute Nachrichten, in welchen Menschen ihre Hilfe anbieten, sodass vor allem jene, die durch das Coronavirus in Not geraten, Unterstützung erhalten. Wir sehen aber auch, dass sich viele Privatpersonen Gedanken machen, wie sie den Kontakt in der Familie und über alle Generationen hinweg aufrechterhalten können. So richteten Familien beispielsweise fixe tägliche Telefon- oder Skype-Zeiten für Enkel und Grosseltern ein. Diese schönen Nachrichten lassen mich heute schon mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Die zahlreichen Solidaritätsbekundungen über die Generationengrenzen hinaus, die in den letzten Monaten wieder stärker wahrnehmbar waren, machen jedenfalls Mut. Es braucht ein funktionierendes Miteinander, kein Ausspielen der Generationen.

 

Alain Huber, Direktor der Pro Senectute über die Generationensolidarität in der Corona-Krise

Alain Huber, Direktor der Pro Senectute über die Generationensolidarität in der Corona-Krise

 

Der Gastbeitrag der Pro Juventute finden Sie hier: «Gefordert und solidarisch: Jugend in Zeiten von Corona».

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