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Bericht "Trinationaler Workshop Generationenprojekte"

Mittwoch, 31.07.2013

Prof. Gisela Jakob von der Hochschule Darmstadt berichtet über den Workshop:   

Die Schweizerische Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften und Migros-Kulturprozent luden für den 30. bis 31. Mai 2013 zu einem „Trinationalen Workshop Generationenprojekte“ in das Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon bei Zürich ein, bei dem neun Projekte aus der Schweiz, Österreich und Deutschland ihre Arbeit vorstellten.

Die Veranstaltung zielte darauf, Erfolgsfaktoren für die Entwicklung, Umsetzung und Nachhaltigkeit von Generationenprojekten zu identifizieren. Des Weiteren stand die Frage im Raum, ob und inwiefern mit Generationenprojekten verlässliche Solidarbeziehungen zwischen Menschen verschiedener Generationen außerhalb von Staat und Familie geschaffen werden können. (...)

 

trinationaler Workshop Generationenprojekte Rüschlikon Mai 2013
Bild: Migros-Kulturprozent

 

Ein kurzes Resümee und einige offene Fragen

Der Workshop ist Teil einer Bewegung, sich angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen und des Generationenwandels mit der Reichweite und den Grenzen neu inszenierter Generationenbeziehungen zu befassen und Strukturen für eine Generationenpolitik zu erarbeiten. Nach meinem Eindruck spielt das Generationenthema in Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft in der Schweiz eine besondere Rolle. 2008 ist der erste Schweizer Generationenbericht erschienen, der die Generationenbeziehungen untersucht und differenzierte Vorschläge für eine Generationenpolitik ausgearbeitet hat. Der regelmäßig erscheinende Sozialbericht 2012 hatte den „Fokus Generationen“. Die Plattform www.intergeneration.ch informiert über generationenbezogene Tagungen und Projekte. Migros- Kulturproduzent unterstützt und berät mit der „Generationenakademie“ einschlägige Projekte und Aktivitäten und wendet sich dabei gezielt an die Gemeinden, um interessierte Gründerinnen und Gründer bei der Entwicklung von lokalen Projekten zu unterstützen. Dies trägt dem Sachverhalt Rechnung, dass generationenbezogene Aktivitäten in erster Linie als Aufgabe der Kommunalentwicklung gesehen werden.

Die ausführlichen Beiträge des Treffens werden derzeit in einer Dokumentation aufbereitet, die im September veröffentlicht werden wird.

Der Workshop war ein wichtiges Forum, um die Praxis von Generationenprojekten kennen zu lernen und sich über deren Reichweite und Grenzen auszutauschen. Derzeit ist allerdings offen, wie wirkungsvoll und nachhaltig solche Projekte sind und ob es ihnen gelingt, dem gegenläufigen gesellschaftlichen Trend zur Trennung der Generationen in separierte Lebenswelten entgegen zu wirken. Eine wichtige Rolle könnten dafür insbesondere solche Projekte spielen, die das Generationenthema in Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen bringen und den Kinder und Jugendlichen generationenbezogene Bildungserfahrungen ermöglichen. Auch die Öffnung bestehender Organisationen und Institutionen für das Generationenthema dürfte ein wichtiger Punkt sein, der weiter vorangebracht werden muss. Soziale Dienste und Einrichtungen ebenso wie wohlfahrtsstaatliche Institutionen wie die Kinder- und Jugendhilfe oder die Altenhilfe sind auf besondere Generationen ausgerichtet und forcieren damit deren Trennung. Auch in vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Vereinen und Verbänden ist das Generationenthema noch nicht angekommen. Zwischen den Diskursen um Generationenpolitik und Zivilgesellschaft gibt es bislang kaum Verknüpfungen.

Der Workshop ist Teil eines Aufbruchs und einer Bewegung, das Generationenthema neu zu denken, neue Orte und Räume für Generationenbegegnungen zu schaffen und eine Generationenpolitik zu forcieren. Wenn ich es richtig sehe, so befinden wir uns dabei noch am Anfang eines offenen Prozesses. Den Veranstaltern kommt das Verdienst zu, mit dem Workshop und ihren sonstigen Aktivitäten, diesen Prozess engagiert voranzubringen.Zum Schluss ist es mir ein Anliegen, auf die produktive und anregende Arbeitsatmosphäre hinzuweisen. Die Veranstalter haben mit dem Gottlieb-Duttweiler-Institut ein ausgesprochen schönes Ambiente für den Workshop ausgewählt. Die Arbeitsatmosphäre war darüber hinaus durch eine entspannte Atmosphäre und wertschätzende Arbeitsweise gekennzeichnet, zu der die lebendigen Projektpräsentationen wesentlich beigetragen haben.

 

Prof. Dr. Gisela Jakob ist an der Hochschule Darmstadt am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit tätig. Ihre Forschungsgebiete umfassen u.a. Zivilgesellschaft und bürgerschaftliches Engagement, Engagementförderung in Kommunen und zivilgesellschaftliche Organisationen sowie Freiwilligendienste. Kontakt: gisela.jakob@h-da.de 

Ihr vollständiger Bericht findet sich beim Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)  hier 

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