Newsletter Dezember 2015

 

Gemeinden suchen den intergenerationellen Austausch: Ergebnisse der Tagung zur Alters- und Generationenpolitik

 

Angesichts des demografischen Wandels verwundert es kaum, dass es die Alterspolitik in vielen Gemeinden langfristig auf die politische Agenda geschafft hat. Die Bieler Tagung zur Alters- und Generationenpolitik des Schweizerischen Städteverbands war dementsprechend komplett ausgebucht. Weniger voraussehbar war hingegen der regelrechte Ansturm auf den von Intergeneration angebotenen Workshop zum intergenerationellen Austausch.

 

Zur Förderung des aktiven und praxisnahen Erfahrungsaustauschs wurde eine Postersession mit fünf unterschiedlichen Praxisbeispielen in den Workshop integriert. Auf diese Weise wollten wir unserem Anspruch gerecht werden, Generationenprojekten – über www.intergeneration.ch hinaus – immer wieder auch nicht-virtuelle Plattformen für ihre Vernetzung und Promotion zu bieten.
Die Teilnehmer diskutierten engagiert über kommunale Handlungsfelder und Hemmnisse auf ihrem Weg zur Förderung des Generationenaustausches. Und sie formulierten gemeinsam wünschenswerte Unterstützungsleistungen anderer Akteure für die Gemeinden.
Grundsätzlich waren die Workshop-Teilnehmer der Auffassung, dass der kommunalen Exekutive bei der Förderung des Generationenaustausches eine tragende Rolle zukommt. Dass diese Überzeugung bei den Gemeinden an Boden gewinnt, zeigte sich auch darin, dass die Mehrheit der sich als „Neueinsteiger“ vorstellenden Workshop-Teilnehmer bisher noch nicht aktiv tätig waren. Die Diskussion verlagerte sich deshalb gleich auf die Anschlussfrage, wo und wie zukünftig kommunal gefördert werden sollte.
 

Eigeninitiative und aktives Handeln wurden vor allem in solchen Handlungsfeldern gesehen,

1. die als originäre kommunale Kernbereiche betrachtet werden, wie der Städtebau und damit verbunden die Nutzung und Bewirtschaftung kommunalen Eigentums, kommunaler Liegenschaften, kommunaler Infrastrukturen und des öffentlichen Raumes.
2. in denen Einflussmöglichkeiten der Exekutive aufgrund der kommunalen Strukturen und Prozesse leichter gegeben sind, wie beispielsweise bei kommunalen Einrichtungen oder bei (Leistungsvertrags)-Partnern wie Altersheime, Kitas, Quartiervereine, Vereine.
3. in denen vorhandene Erfahrungswerte und Know-How in der kommunalen Verwaltung leichter genutzt werden können, wie bei Informations-, Koordinations- und Vernetzungsaufgaben für zivilgesellschaftliche Initiativen, bei deren Beratung und bei der (Mit-)Finanzierung von Projekten.      

 

Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, wurde als konkrete verwaltungsinterne Massnahme die aktive Verankerung des Themas in den Strukturen und Prozessen der Exekutive vorgeschlagen. Auch wurde eine Zusammenführung der bisher getrennt agierenden Jugend- und Altersbereiche diskutiert. Das mehrfach genannte Hemmnis, dass die Verantwortlichkeit zwischen mehreren Verwaltungsstellen hin- und hergeschoben und für Dritte damit kein Ansprechpartner auf Seiten der Gemeindeverwaltung sichtbar wird, könnte so beseitigt werden. Es wurde auch als eine Folge des Umstandes betrachtet, dass längst nicht immer ein politischer Auftrag für die Förderung des Generationenaustausches in den Gemeinden formuliert worden ist.

 

Folgende Politikbereiche wurden für eine intergenerative Förderung explizit als kommunale Handlungsfelder im Workshop genannt: Kulturförderung, Förderung der Freiwilligenarbeit, Nachbarschaftshilfe, Gemeinwesen- und Vereinsarbeit.
Auch die Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren spielte bei den Vorschlägen für Handlungsfelder eine wichtige Rolle und zeigt, dass den Kommunen vielfach klar ist, dass hier konzertiert vorgegangen werden sollte.
Als Massnahmen zur Stärkung und Erschliessung der Ressourcen von kommunalen Akteuren wurden vorgeschlagen: Impulse durch Aufträge an Dritte, Vernetzung und Wertschätzung der Akteure, Einbezug der Senioren-Netzwerke, Katalysatorenfunktion und Potenziale der Akteure erkennen und einbinden.

 

In der Diskussion kam eine recht umfangreiche Liste an Hemmnissen für eine kommunale Förderung zustande. Sie zeugt von dem noch wenig etablierten Status des Themas und von den damit einhergehenden, noch wenig ausgebildeten Förderstrukturen, was z.B. Finanzierung, Netzwerke, Wissen und Erfahrungen aus der Projektarbeit aber auch die fehlende Übersicht der Angebote und Aktivitäten betrifft.
Gesellschaftliche Veränderungen wie die reduzierte Bereitschaft in der Freiwilligenarbeit für verbindliche oder längerfristige Engagements oder die als gering erachtete Sensibilisierung der Bevölkerung für die Folgen des demografischen Wandels, weisen auf weitere mögliche Ansatzpunkte hin.

 

Staatliche Unterstützung wünschten sich die Teilnehmer des Workshops von den Kantonen als Mittler zwischen Städten und Gemeinden bei der Koordination und in der inner- und interkantonalen Vernetzung.
Während sich die Teilnehmer von Senioren-Organisationen und Kirchen vor allem die Mithilfe bei der Mobilisierung der Senioren erhoffen, erwarten sie von Stiftungen/Vereinen eine verstärkte Vernetzung und den Ausbau finanzieller Unterstützung.
Da die SGG mit ihrem Programm Intergeneration auch in diesen beiden angesprochenen Bereichen aktiv ist, bestätigten diese Erwartungen der Teilnehmer  unsere Angebotsstrategie.
 

Teilen Sie uns doch auch Ihre Einschätzung zu diesen Ergebnissen mit und schreiben Sie uns unter info@intergeneration.ch
 

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