Job Caddie - ein Mentoring-Programm für junge Erwachsene

Wenn Reden Gold ist

Mittwoch, 27.05.2015

Im Kanton Zürich wurden 2014 mehr als 10 % aller Lehrverhältnisse aufgelöst. Die Zahl liesse sich relativ einfach verkleinern, sind sich Fachleute einig. Nur wie?

Viele Jugendliche entscheiden sich eher zufällig für einen Lehrberuf. Trotz Berufswahlunterricht und Beratung im Berufsinformationszentrum . Sie befinden sich in der Adoleszenz. Dabei ist die Berufsfindung nebst der Ablösung von den Eltern und der Zugehörigkeit zur Peergroup nur ein Thema unter vielen. Aber nicht nur deshalb klappt es manchmal nicht mit der Lehre. Einmal in der Lehre haben junge Erwachsene oft Angst, betriebliche oder schulische Probleme anzusprechen.

Ein Beispiel: Eine junge Lernende Fachfrau Betreuung Kind wollte aufgrund zwischenmenschlicher Probleme mit einer Mitarbeiterin den Betrieb wechseln. Sie getraute sich nicht, mit ihrer Ausbildnerin zu reden. Erst als ihre Mentorin sie darin bestärkte, das Gespräch zu suchen, fand sie den Mut. Fazit: Sie konnte innerhalb des bisherigen Lehrbetriebs die Gruppe wechseln und die Lehre im selben Betrieb erfolgreich beenden.

Eine angehende Fachfrau Gesundheit erzählte, dass sie vor lauter Angst den Eltern zu sagen, dass sie die Lehrstelle verloren hatte, drei Monate lang morgens das Haus verliess, als würde sie nach wie vor in den Betrieb gehen. Ihre Eltern waren geschockt, als sie davon erfuhren. Nicht weil sie die Lehrstelle verloren hatte, sondern darüber, dass sie so lange geschwiegen hatte.

Dass Jugendliche zu Hause nicht mehr alles erzählen, ist normal. Sie wollen auf den eigenen Beinen stehen, auch kritische Situationen selber meistern. Dazu gehören Schwierigkeiten in der Lehre. Wenn sie es doch nicht schaffen, nehmen Jugendliche Unterstützung von aussen oft einfacher an als von der Familie. Zum Beispiel solche von einer Mentorin oder einem Mentor von „Job Caddie“. Die Mentorin geht mit „ihrem“ Lernenden im Rollenspiel ein bevorstehendes Krisengespräch mit der Berufsbildnerin durch. Der Mentor erzählt „seiner“ Lernenden davon, wie er seinen Vorgesetzten gegenüber Wünsche formuliert hat.

Auch die Fachfrau Gesundheit hat inzwischen wieder eine Lehrstelle. Mit ihrem Mentor hatte sie sich auf das entscheidende Bewerbungsgespräch vorbereitet. Auch auf kritische Fragen traute sie sich offen und ehrlich zu antworten. So will sie es auch künftig im Lehralltag tun. 

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