Vom Kongress der französischsprachigen Demographen II

Mittwoch, 21.07.2010

Dr. Felix Bühlmann, FORS (Schweizer Kompetenzzentrum für Sozialwissenschaften) an der Universität Lausanne, und Koordinator des Sozial- und Generationenberichts 2012 – "Intergenerationelle Beziehungen": Einige Eindrücke vom Kongress der französischsprachigen Demographen vom 21. – 24. Juni in Genf

 

Teil Zwei - den ersten Teil finden Sie hier

 

Wenn die Grosseltern ihre Enkelkinder hüten
Aus geographischen Gründen waren natürlich auch die Schweizer Demographen besonders gut am Kongress vertreten. Jean-Marie Le Goff und Ana Barbeiro, beide Forscher am Institut Pavie an der Universität Lausanne präsentierten Resultate zu einer Studie zu den Veränderungen, die junge Paare erleben, wenn sie zum ersten Mal Eltern werden.

Le Goff und seine Kollegin stellten sich die Frage, wie die Geburt des ersten Kindes die Beziehungen zwischen Eltern und Grosseltern verändert. Rücken die Familien wieder näher zusammen? Tauchen alte Konflikte unvermittelt wieder auf? Helfen die Grosseltern beim Babyhüten aus? In der Tat, dies bestätigen die Befunde Le Goffs und Barbeiros, intensivieren sich die Beziehungen zwischen den jungen Eltern und den frischgebackenen Grosseltern wieder.

Wohnen die Grosseltern in der Nähe, sind sie gesundheitlich rüstig und belasten keine schwereren Konflikte die Beziehungen zu ihren Kindern, so helfen die Grosseltern regelmässig mit, die Kinder zu hüten. Allerdings: Grossmütter (und nur selten auch die Grossväter) kümmern sich im Durchschnitt nur 2.6 Halbtage um die Grosskinder – also viel weniger als Krippen (5 Halbtage) oder Tagesmütter (5 Halbtage).

Wieso? Laut Le Goff bringt das Hüten der Grosseltern eben auch eine gewisse "Einmischung" mit sich. Zudem wollen Grosseltern ihre Enkelkinder eben "geniessen" und nicht "erziehen" (wie dies sich die Eltern vielleicht wünschen).
 

 

Mütterliche Verwandschaftslinien
Wie verändern Scheidungen die Beziehungen von Enkelkindern zu ihren Grosseltern? Dieses Thema stand im Zentrum eines Beitrags von Cornelia Hummel von der Universität Genf und François Höpflinger von der Universität Zürich.

48 von 100 Ehen werden heute in der Schweiz geschieden – dies belastet nicht nur den Umgang der Eltern mit ihren Kindern. Auch die Beziehungen zwischen den Enkelkindern und ihren Grosseltern sind auf eine harte Probe gestellt. Hummel und Höpflinger können allerdings zeigen, dass Kinder von "intakten" Paaren nicht häufigeren Kontakt zu ihren Grosseltern haben, als solche von geschiedenen Paaren.

Wenn auch gemeinsame Besuche mit den Eltern bei den Grosseltern seltener werden, so nutzen die Enkelkinder Familienfeste oder Besuche ohne Eltern, um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Frappierend hingegen: Kinder pflegen mehr Kontakte zu den Grosseltern mütterlicherseits als zu Opa und Oma auf Vaterseite.

Enkelkinder unternehmen auch mehr gemeinsam mit den Eltern der Mutter und sind sich ihrer grösseren Aufmerksamkeit sicher. Ist dies die Folge davon, dass Kinder nach Scheidungen meist der Mutter anvertraut werden? Ja und nein ist die Antwort von Hummel und Höpflinger. Zwar könnte eine Scheidung den Trend zu einer mütterlichen Verwandtschaftslinie verstärken. Vielfach pflegen aber Kinder auch in intakten Paaren engere Beziehungen zu ihren Grosseltern mütterlicherseits.
 

 

Ein Beitrag von Felix Bühlmann, FORS

 

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