Projektwerkstatt Generationenakademie: Sing Song – ein Kooperationsprojekt des Chinderhuus’ und Pflege- und Altersheims Herosé in Aarau

Montag, 03.06.2013

Man kann gar nicht jung genug sein, um intergenerationelle Begegnungen zu stiften..., das waren bestimmt nicht die Gedanken meines zweijährigen Sohns, als er auf dem Heimweg von der Krippe die verkehrsberuhigte Strasse überquerte und eine weisshaarige, auf ihren Rollator gestützte Dame ansteuerte, vor ihr stehen blieb und fragte „Darf ich auch mal?“.

Das war der Anlass zu meiner Idee, durch ein gemeinsames Chorprojekt Kinder der Krippe im Quartier mit Bewohnerinnen und Bewohnern des benachbarten Altersheims zusammenzubringen. Mir schwebte ein wöchentliches Nachmittagstreffen vor, bei dem eine couragierte Dirigentin klassische schweizerdeutsche Lieder am Klavier begleiten und Jung und Alt zu einem Chor einen würde, im Rahmen dessen es zahlreiche Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten geben sollte. Der Zeitplan mit den Meilensteinen für die kommenden sechs Monate war schnell erstellt, das Budget gleich kalkuliert – in Gedanken bereits finanziert von der ein oder anderen Kulturstiftung oder örtlichen Sponsoren. Sorgen machte mir einzig die Vorstellung, so sehr eingebunden zu sein, dass ich mich kaum nach einiger Zeit wieder würde verabschieden können, um meinen beruflichen und privaten Verpflichtungen & Vergnügungen nachzugehen... Ich stellte mir eine komplexe Aufgabe als ehrenamtliche Projektmanagerin vor: Pustekuchen!

De facto brauchte es nach dem Encouragement durch die Generationenakademie des Migros Kulturprozents, die meiner Vision den „offiziellem Rahmen“ und Auftrag gab, nur

  • 2 Telefonate mit den wohlwollenden Direktionen,
  • 2 Vorbereitungstreffen und
  • 2 ausgesprochen engagierte Mitarbeiterinnen in beiden Institutionen (als zentralen Dreh- und Angelpunkt).

Von der ersten Besprechung an lief alles wie von selbst: Auf Grundlage der Liederbücher beider Häuser stellten Beschäftigungstherapeutin und Krippenerzieherin, einen „Lieder-Kanon“ zusammen, der die Basis des gemeinsamen Singens ist. Der Besuch der zehn Kleinen lockte im Altersheim statt dem üblichen Dutzend gleich 30 interessierte Bewohner/innen in den Aktivierungsraum. Wie ähnlich die Bedürfnisse aller Generationen in manchem doch sind, zeigte sich beim Zvieri, wo Sirup und Guetzli grossen Anklang fanden... Beiden Seiten hat es augenscheinlich sehr gefallen, selbst eine an Demenz erkrankte Frau freute sich noch Tage später über die Erinnerungen an die Kinder. Statt des wöchentlichen Treffens ist nun ein regelmässiger Vierteljahresbesuch vorgesehen, doch daneben gibt es die Idee zum gemeinschaftlichen Stricken(lernen) ab und an, bei Gelegenheit...

FAZIT:

  • Wenn Neugier auf beiden Seiten da ist, braucht es manchmal nur zweierlei: den Anstoss ­ vielleicht von aussen und Offenheit in den Institutionen.
  • Aussenstehende können, auch wenn sie noch so gute Ideen haben, nicht einfach selber Ideen in Institutionen realisieren. Sie können nur interessierte interne Ansprechpersonen suchen und Anstösse geben. Man kann einer Organisation nichts „aufdrücken“, sondern nur zu Eigenaktivitäten ermuntern.
  • Damit geben sie ihre Projektidee in andere Hände – und haben auch nur noch indirekten Einfluss darauf. Ihre Rolle ist also vielmehr diejenige der Initiantin, der Ermöglicherin.
  • Und man muss damit leben, dass Tempo, Arbeitsweise und Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichen Institutionen sehr verschieden sind.

Ein Blogbeitrag von Petra Miersch, Teilnehmerin Projektwerkstatt 2012/2013 der Generationenakademie

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