Neuer Leitfaden für Generationenprojekte

Montag, 28.09.2015
Leitfaden Generationenprojekte Sozialministerium

 

Ein Leitfaden für Generationenprojekte veröffentlichte vor kurzem das Bundessozialministerium in Österreich. Die Verfasserin Ines Findenig, Erziehungswissenschaftlerin von der Universität Graz stellt uns ihre Praxishilfe vor und gibt Einblicke in die österreichische Generationen-Diskussion. Unser Nachbarland steht aufgrund des demografischen Wandels vor ähnlichen Herausforderungen wie die Schweiz. Ein “Blick über den Tellerrand“ bietet sich an.   

 

Was verspricht man sich in Österreich von der Publikation eines speziellen Leitfadens für Generationenprojekte?

Durch den Leitfaden sollen Vereine, Initiativen und auch Einzelpersonen einen Überblick über Generationenprojekte erhalten und motiviert werden, ein solches zu planen, konzipieren und zu gestalten. Weil Engagement im Zuge von intergenerativen Projekten soziale Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert, gilt es mehr von diesen Projekten (und diese auch längerfristiger) zu organisieren. Durch familiäre und gesellschaftliche Entwicklungen sind Begegnungen von außerfamiliären Generationen eher selten geworden. Aufgrund dessen erscheint es wichtig, Generationen im Zuge von solchen Projekten zu ermöglichen, sich wieder öfters im Alltag begegnen zu können. Mit Hilfe des Leitfadens soll das Bewusstsein der Wichtigkeit dieser Generationenbegegnungen wieder in den Vordergrund gerückt werden. Das Hauptaugenmerk des Leitfadens richtet sich auf die Beantwortung folgender Fragen, welche sich in Österreich sowie auch in Deutschland und der Schweiz als bedeutungsvoll für Generationenprojekte erweisen.

 

  • Welcher Kompetenzen bedarf es seitens Projektleitung?
  • Welche Träger und Kooperationspartnerschaften gibt es im intergenerativen Bereich?
  • Welche Projektarten und -themen gibt es?
  • Wo finden Generationenprojekte ihren Platz?
  • Wie gelingt es Teilnehmende für Generationenprojekte zu gewinnen?
  • Was gilt es inhaltlich und prozessual zu bedenken?

 

Werden diese gesellschaftspolitischen Ziele durch Ihre Forschungsergebnisse gestützt?

(Generationen-)Engagement hat in Europa eine starke Tradition und entwickelt sich mit den gesellschaftlichen Transformationen gleichsam mit. Generationen engagieren sich somit schon sehr lange, und dies auch für- und miteinander. In Generationenprojekten treffen sie aufeinander und haben die Möglichkeit, sich wirklich zu begegnen. Die Trends der letzten Jahre zeigen, dass intergenerative Projekte zwar relativ oft stattfinden, diese sich aber kaum untereinander vernetzen. Es fehlt auch bislang (von einzelnen Forschungsberichten wie Suck/Tinzmann 2005, Eisentraut 2007 abgesehen) ein deutschsprachiges niedergeschriebenes Basiskonzept für Generationenprojekte. Dieses Ziel verfolgt der Leitfaden, denn er ist die erstmalige Zusammentragung von empfohlenen Inhalten, Rahmenbedingungen und Ressourcen, die Generationenprojekte benötigen, und welche mitbedacht werden sollten. Aus einer einheitlichen Grundorientierung seitens der Projekte könnten allgemeine Qualitätsstandards entwickelt werden, wodurch soziale Teilhabe und gesellschaftlicher Zusammenhalt besser gefördert und umgesetzt werden können.

 

 

Sind nach der Publikation des Leitfadens weitere Fördermassnahmen oder Forschungsprojekte aus Ihrer Sicht wünschenswert?

Generationenprojekte stellen einen wesentlichen Aspekt in der gesellschaftlichen Entwicklung dar, weil sie die Möglichkeit bieten, unterschiedliche außerfamiliäre Generationen aufeinander treffen zu lassen. Diese Face-to-Face-Begegnungen beinhalten viele Potentiale und gleichsam auch Probleme. Eine rein positive Betrachtung dieser verschließt sich der Chance, hinter die Fassaden zu blicken und mögliche Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Aufgrund dessen erscheint mein derzeitiges Forschungsprojekt „Intergeneratives Engagement im außerfamiliären Kontext in Generationenprojekten: Potentiale, Probleme und Grenzen“ einen blinden Fleck der Generationenprojekte aufzudecken, auch um eine Weiterentwicklung dieser zu ermöglichen. Aus einer sozialpädagogischen Perspektive heraus gilt es, Generationenprojekte auch längerfristig zu planen, da Beziehungen zwischen den Menschen Zeit brauchen, sich zu entwickeln. Auch die Projekte per se benötigen längere Zeitfenster, um sich entfalten zu können. Somit scheinen finanzielle Unterstützungen für Generationenprojekte als sinnvolle Investition für die Gewährung des sozialen Zusammenhaltes. 

 

 

Was können die Schweizer Akteure aus dem Leitfaden mitnehmen?

Der Leitfaden erweist sich für Schweizer Vereine, Initiativen und Einzelpersonen gleichsam als interessant, da er einen Überblick über intergenerative Projekte gibt. Gesellschaftlichen Entwicklungen zur Folge bedarf es in vielen Ländern Europas an mehr Generationenzusammenhalt. Durch den Leitfaden kann vielleicht die Idee für ein neues Generationenprojekt gestiftet werden oder aber auch bestehende Konzepte erweitert oder verändert werden. Grundsätzlich geht es darum, durch den Leitfaden die Förderung von Generationenbeziehungen und deren Begegnungen voranzutreiben. Soziale Teilhabe gilt es für alle Generationen zu ermöglichen.

 

Das Interview mit Ines Findenig wurde im September 2015 geführt.

 

Ein Blogbeitrag von Monika Blau

 

 

Foto: Bundessozialministerium 

Link zum Bundessozialministerium

 

 

Was ist Ihre Meinung zum neuen Leitfaden?

 

 

Weitere InformationenSize
leitfaden_generationenprojekte_in_oesterreich.pdf1.01 MB

Kommentar

Susanna Haller's picture

Danke! Der Leitfaden enthält

Danke! Der Leitfaden enthält alles, was es braucht, um Projekte zu planen und aufzugleisen. Die Inhalte lassen sich ebenfalls in den angrenzenden Ländern denken. Vielleicht könnte aus diesen Angaben noch ein erweitertes Werk entstehen, dass dann vor allem den direkt Betroffenen und Begleitenden zum Werkzeugkoffer würde. dialog-gesundheit Schweiz hat mit den Bewohnern der Agglomerationsgemeinde Zollikofen bei Bern einen Ratgeber über den ganzen Lebensbogen geschaffen. Als Bottom-up-Projekt, welches als Innovatives Projekt von Gesundheitsförderung Schweiz unterstützt wurde. Grundgerüst war der Wellness-Guide von HRA University of California, Berkeley http://www.healthresearchforaction.org/wellness-guide-0; Mit Lizenz und Zusammenarbeit, als Vorbild für Empowerment, Förderung der Gesundheitskompetenz und Selbstmanagement http://www.healthresearchforaction.org/dialog-gesundheit-dialog-health-switzerland; http://www.dialog-gesundheit.ch/ueberuns/ratgeber; Dabei half uns das Projektmanagement-Tool quint-essenz, ebenfalls von Gesundheitsförderung Schweiz - http://www.quint-essenz.ch/de/; Herzliche Grüsse aus Bern Susanna Haller, Co-Leitung dialog-gesundheit Schweiz
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