Impulse für Generationenprojekte

Mittwoch, 26.11.2014

 

Der Generationenbereich ist in Bewegung: In den vergangenen Jahren sind in der ganzen Schweiz zahlreiche Projekte entstanden, die entweder von Einzelpersonen oder von meist kleineren Organisationen initiiert wurden. Das Migros-Kulturprozent (MKP) und die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) haben zwei Broschüren publiziert, die die Ergebnisse des «Ersten Trinationalen Workshops Generationenprojekte 2013» beinhalten und Erkenntnisse und Erfahrungen von vielen aktiven Projektmitarbeitenden aus drei Ländern zusammenfassen. Dieses Wissen kann nun künftigen Projektinitiantinnen zur Verfügung gestellt werden. Seit mehreren Jahren engagiere ich mich aktiv als Sozialarbeiterin FH in zwei Generationenprojekten im Kanton Zug. im Mentoring-Programm MUNTERWegs und im Projekt  Generationentreff Ägerital – www.genial-aegeri.ch.  Im Folgenden werde ich beide Broschüren kurz vorstellen und mit meiner eigenen Praxiserfahrung vergleichen. Das Ziel beider Broschüren ist es, Interessierte zur Umsetzung eines Generationenprojekts zu motivieren und diese nachhaltig zu planen.

 

Die erste Broschüre mit dem Namen «Kontextualisierung und Positionierung von Generationenprojekten» bietet einleitend ein umfassendes Theoriefundament. Dies ist für künftige ProjektinitiantenInnen sehr nützlich, da insbesondere für Verhandlungen mit Netzwerkpartnern, Gemeinden und potenziellen Geldgebern gute Argumente für den Sinn und die Existenz von Generationenprojekten ins Feld geführt werden müssen. Der konkrete Teil, in dem einzelne Projekte vorgestellt werden, fällt leider eher mager aus. Die einzelnen Projekte sind zu knapp beschrieben, als dass sie zu Nachahmung oder Weiterentwicklung motivieren könnten. Auch fehlt eine Information über die jeweilige konkrete Zielsetzung der Projekte. Für die Praxis wäre es zudem hilfreich, wenn zu jedem Projekt eine Kontaktadresse angegeben wäre.

Eine lohnende inhaltliche Erweiterung würden die Themen «Soziale Integration» und  «Integration von Migranten und Migrantinnen» bieten. Diese werden nur am Rande erwähnt. Doch gerade in diesem Gesellschaftsbereich kann ein Generationenprojekt Grosses leisten und es wäre wünschenswert, diese Aspekte theoretisch fundiert zu beschreiben.

 

Wichtig zu nennen ist allgemein der Nutzen von Generationenprojekten. Meines Erachtens zeigt dieser Nutzen sich in dreifacher Hinsicht: die Leistungen von Generationenprojekten kommen dem Individuum, der Gesellschaft und dem Staat zugute. Damit grenze ich mich ab von der eher traditionellen Haltung, die Freiwilligenarbeit als rein altruistische Haltung versteht, die nur auf einer individualistischen Ebene Profit bringt. Zentral ist zudem die Aussage, dass ein Generationenprojekt Sichtbarkeit, Resonanz und soziale Anerkennung in der Öffentlichkeit brauchen. Gerade als Praktikerin erlebe ich es immer wieder, dass Öffentlichkeitsarbeit, speziell auch in Bezug auf ein effizientes Fundraising, zwar wichtig zu leisten wäre, dafür aber oftmals die Zeit fehlt. Die Betreuung von Webseiten, Werbung, Zeitungsartikel, Veranstaltungskalender etc. braucht viele Ressourcen. Hier könnte auch das Gemeinwesen mit bestehenden Strukturen grosse Unterstützung leisten. Ich denke an regelmässige Berichte in Gemeindebeilagen, Gratisinserate auf Gemeindeseiten in lokalen Zeitungen oder Werbetafeln im Dorf.

Etwas mehr Praxisbezug bietet die zweite Broschüre «Impulse für Generationenprojekte». Diese richtet sich explizit an zukünftige ProjektinitiantInnen.

 

Diese Tatsache ist zwar sehr begrüssenswert, dennoch könnten die Erkenntnisse der Broschüre insgesamt etwas pragmatischer und knapper zusammengefasst werden, mehr im Sinne einer praxisorientierten  Anleitung. In einem zweiten Teil wäre es hilfreich, die wichtigsten Erkenntnisse zur Förderung von Generationenprojekten auf Gemeindeebene darzulegen, quasi als Anleitung für aktive politische Gemeinden.

Zu ergänzen gibt es aus Praktikersicht ein weiteres wichtiges Kriterium: Damit ein Generationenprojekt  funktioniert, muss es für alle Bevölkerungsgruppen niederschwellig zugänglich sein. Dies bedingt, dass die Adressaten der Angebote von Generationenprojekten, also VertreterInnen aller Generationen – von  Kindern, über Jugendliche bis Senioren und Seniorinnen, MigrantenInnen bis hin zu sozial Benachteiligten – soweit als möglich partizipativ in die Organisation der Projekte einbezogen werden müssen. Denn es kann nicht Ziel sein, dass nur einzelne Bevölkerungsgruppen ein Generationenprojekt nutzen.

 

Wie in der Broschüre richtig erwähnt, werden Generationenprojekte meist von Einzelpersonen oder Gruppen initiiert, kaum je von politischen Gemeinden. Doch wie motiviert man zukünftige ProjektinitiantenInnen? Dabei spielt auch die Frage, an wen genau solche Broschüren versandt werden, eine zentrale Rolle. Denn ein grundsätzliches Problem stellt sich in der Sicherung der Nachhaltigkeit der Projekte. Diese Nachhaltigkeit kann erfahrungsgemäss nur gewährleistet werden, wenn es gelingt, die Projekte an öffentliche Strukturen anzubinden. Abschliessend möchte ich erwähnen, dass beide Broschüren sehr ansprechend bebildert sind.

 

Inhaltlich wird aber in beiden Publikationen die ausschlaggebende Rolle der Politik in Bezug auf die Planung, Gestaltung und vor allem Sicherung der Nachhaltigkeit bei der Umsetzung von Generationenprojekten zu wenig betont. Wünschenswert wäre die Bildung einer nationalen Koordinations- und Förderstelle für Generationenprojekte. Zudem sollte in jeder grösseren Gemeinde  eine Gemeinwesenarbeitsstelle (GWA) geschaffen werden, die sich auch für Generationenprojekte einsetzt, InitiantenInnen nach Möglichkeit vernetzt oder begleitet und auch bereit wäre, die Leitung von Projekten zwecks Sicherung der Nachhaltigkeit zu übernehmen. Diese Stellen (sowie den Jugendarbeitsstellen der Gemeinden) müssten beide Publikationen zur Verfügung gestellt werden. Erfreulicherweise sind mittlerweile auf Kantonsebene Ämter entstanden, die sich Generationenfragen annehmen, etwa im Kanton Zug das Amt für Generationen und Gesellschaft. Auch diesen Stellen sollten die Broschüren zugänglich gemacht werden. Und trotz minimaler Kritik: Optimale Vernetzung ist die Voraussetzung für das Gelingen von Generationenprojekten auf Gemeinde – wie auch auf nationaler Ebene. Dafür leisten diese beiden Publikationen beispielhaft eine wertvolle Grundlage für die Praxis.

 

Ein Blogbeitrag von Trix Gubser, Sozialarbeiterin FH

 

Beide Broschüren sind zum Herunterladen verfügbar. Über 250 Generationenprojekte finden Sie unter "Projekte". Weitere hilfreiche Impulse zu den Generationenprojekten gibt's im Intergeneration Blog.

 

Wie beurteilen Sie die beiden Praxishilfen? 

 

Kommentar

Baitan's picture

Chère Madame,

Chère Madame, C'est avec grand intérêt que j'ai lu vos recommandations et vos conseils destinés aux personnes souhaitant lancer leur propre projet intergénérationnel. Malheureusement, je ne lis pas l'allemand et j'aurai bien voulu savoir si ces brochures sont disponibles également en français? Merci d'avance pour votre réponse. Liliya Baitan
Stoffel's picture

Votre question

Chère Madame, Merci de ce message. Hélas, les documents ne sont disponibles qu'en allemand, je suis bien désolée. Je prends cependant bien note de votre intérêt et vous en remercie. Bien cordialement, Martine Stoffel, SAGW
von Stoffel
Dienstag, 20.01.2015
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