Evaluieren von Generationenprojekten - Wann und wie macht eine Begutachtung Sinn?

Freitag, 29.09.2017

 

Im Interview erklärt die Soziologin Hanna Meier vom Büro Social Insight für praxisnahe Sozialforschung und Evaluation, wie Generationenprojekte evaluiert werden und was der Gewinn ist.

 

Frau Meier, Sie sind Soziologin und haben in Ihrer Laufbahn viele Projekte evaluiert. Eine externe Evaluation kostet Geld und Personalressourcen – was hat man im Gegenzug davon?

 

Eine Evaluation hat verschiedene, positive Effekte.

Erstens dokumentiert eine Evaluation die Leistungen, die Wirkungen eines Projekts. Dies ist für geldgebende Organisationen und Trägerschaften zentral und wertvoll, da sie Aufschluss darüber erhalten, wie sich ihr finanzielles Engagement auswirkt (Rechenschaft).

Zweitens erfasst und beurteilt eine Evaluation den Projektverlauf, inwiefern die Projektziele erreicht werden und wie die verschiedenen Beteiligten das Projekt beurteilen (Output und Outcome). Auf solche Ergebnisse sind Initiant/innen und Projektverantwortliche angewiesen – und auch besonders gespannt. So erfahren sie zum Beispiel, wie und was bei den Zielgruppen ankommt respektive nicht ankommt.

Drittens untersucht eine Evaluation die Weiterentwicklung eines Projekts. So erhalten Projektverantwortliche wichtige Hinweise und Angaben aus externer, neutraler Sicht.

Evaluationsergebnisse können in einem Workshop vorgestellt und besprochen werden. Dies öffnet den Dialog und unterstützt die gezielte, effiziente Weiterarbeit am Projekt.

 

 

Welchen Nutzen finden Sie, Frau Meier, als Evaluationsfachfrau am wichtigsten?

 

Ich sage jeweils, 'schlechte' Projekte müssen nicht evaluiert werden. Zieht ein Angebot kaum Leute an oder zeigen sich bei der Umsetzung grosse Probleme, muss man kein Geld ausgeben für eine externe Evaluation.

Jedoch ist der Aussenblick sinnvoll, wenn Projekte grundsätzlich funktionieren. Dann bringt eine fundierte Evaluation Wichtiges auf den Punkt, steuert neue Überlegungen und Erkenntnisse bei und hilft bei der Weiterarbeit. Dies stützt die Projektbeteiligten und verleiht dem Vorhaben neuen Schwung.

Wichtig ist der wertschätzende Aspekt einer Evaluation. Social Insight pflegt einen kritischen Evaluationsstil, der aber wohlwollend und wertschätzend ist. Eine Evaluation ist wie ein E-Bike – ein aktivierendes Geschenk, das persönlichen Einsatz erfordert und zugleich viel Freude macht.

 

 

Und was machen Sie denn überhaupt, wenn Sie evaluieren?

 

Optimal ist ein 360-Grad-Feedback. Das heisst, möglichst alle Beteiligten(gruppen) einbeziehen – schriftlich via Fragebogen, mündlich, telefonisch, mithilfe von Fotos etc. Wir wenden zugleich quantitative (Zahlen, Prozente) und qualitative Methoden (Worte, Aussagen) an. Meist ist es auch sinnvoll, die Projektdokumentation zu analysieren. Hier lernt man Details kennen: Konzept, Umsetzung, Werbung, Vorgehen, Ziele. Auch Monitoringdaten aus dem Projektverlauf sind oft wichtig und hilfreich (z. Bsp.: Wie viele Personen nutzen ein Angebot?).

Massgebend für das Evaluationsdesign sind die Wünsche und Anliegen der Auftraggeber/innen. Der Kunde, die Kundin bestimmt die Dienstleistung. Wir als Evaluationsfachleute machen sodann einen Vorschlag, wie die Evaluation aussehen kann. Je nach Budget können kleinere oder umfangreichere Evaluationen realisiert werden.

 

 

Gibt es bei Generationenprojekten etwas Spezifisches, was auch bei einer Evaluation speziell zu beachten wäre? 

 

Generationenprojekte umfassen meist mehrere Zielgruppen, das heisst unterschiedliche Altersgruppen, die mit einem Angebot (auf je eigene Weise) angesprochen werden. Eine Evaluation soll natürlich alle Zielgruppen einbeziehen. Dies ist wichtig und verlangt häufig je eigene, passende Zugangsweisen. So könnte man Grosseltern mit einem Fragebogen befragen, während dies mit Vorschulkindern nicht möglich wäre. Vorschulkinder kann man jedoch beobachten oder mit ihnen reden. – Dass eine Evaluation unterschiedliche Zielgruppen einbezieht, ist durchaus normal.

Wichtig ist auch die Frage, zu welchem Zeitpunkt Generationenprojekte evaluiert werden sollten. Wir raten, nicht zu früh zu evaluieren, ausser der Fokus liegt auf dem Aufbau und der Startphase. Stehen jedoch der Projekt-/Arbeitsalltag und die Zielerreichung im Zentrum, sollte die Evaluation erst mehrere Monate nach dem Projektstart einsetzen. Dann, wenn die «Stürmiphase» vorbei ist und das Projekt in die Konsolidierungsphase kommt. Zu diesem Zeitpunkt fokussiert die Evaluation auf die Betriebsphase von Generationenprojekten (Output und Outcome). Soll untersucht werden, inwiefern das Projekt zu dauerhaften Haltungs- und Verhaltensänderungen führt (Impact), ist es je nach Situation ratsam, mit dem Einsetzen der Evaluation noch länger zuzuwarten, um diese Effekte erfassen zu können.

 

Das Interview wurde von Monika Blau, Intergeneration geführt. 

 

Haben Sie selbst auch Erfahrungen mit der Evaluation von Generationenprojekten gemacht?

 

 

 

 

Weiterführende Informationen zur Evaluation:

 

Leitfaden zur Evaluation nach ZEWO (deutsch / französisch):

 

https://www.zewo.ch/wirkunginland/Deutsch2/Wirkungsmessung

https://www.zewo.ch/wirkunginland/fr/Mesure-de-lE28099efficacite/Aides-et-ressources

 

Beratung/Weiterbildung:

ZUW - Zentrum für universitäre Weiterbildung, Universität Bern

 

Verband Schweizerische Evaluationsgesellschaft SEVAL

 

 

Foto: So einfach wie mit einem Masstab geht es bei der Wirkungsmessung von Generationenprojekten nicht. (Quelle: Fotolia) 

 

 

Kommentar hinzufügen