Verein Munterwegs

Mentoringprogramm MUNTERwegs

Erfahrungsbericht von Alfred Heer zum MUNTERwegs Programm 2015 für YOUgendliche

Dienstag, 01.12.2015

Ich kenne MUNTERwegs bereits seit der Betreuung von S. aus dem Jahre 2013. Das in diesem Frühjahr erstmals lancierte Mentoring Programm für Jugendliche ist bei mir auf Interesse gestossen. Die Aufgabe einem Jugendlichen bei der Suche nach einer geeigneten Lehrstelle behilflich zu sein, erschien anspruchsvoll. Mir wurde der 14-jährige P. aus Unterägeri zugeteilt. Seine Eltern sind vor 15 Jahren unter abenteuerlichen Umständen aus dem Iran geflohen und in die Schweiz gelangt.

Als ich mit P. zum ersten Mal alleine sprach legte ich im dar, wie ich meine Aufgabe als Mentor sehe. Ich erwartete von ihm Offenheit und Ehrlichkeit, was er auch von mir erwarten kann. Ohne diese Eigenschaften kann keine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufgebaut werden. Ich erfuhr von P. auch, dass er sehr gerne Fussball spielt und Mitglied in einem Fussballclub in Zug ist. Auch über sein familiäres Umfeld wollte ich mehr erfahren. Dabei konnte ich erahnen, dass meine Aufgabe weit über die Suche nach einer Lehrstelle hinausgehen wird. Die Familie braucht in vielerlei Hinsicht Hilfe und Unterstützung. Ich versprach P., dass er auf meine Unterstützung zählen kann. Er nahm das Angebot dankbar an. Ich durfte in den vergangenen Monaten feststellen, dass P. eine markante Entwicklung seiner Persönlichkeit durchgemacht hat. Er ist sehr motiviert und ein aufgestellter Junge. Er hat klare Zukunftspläne und Ziele, die er erreichen will. Zwischen P. und mir hat sich eine sehr kollegiale, vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit entwickelt.

Ein junger Mensch hat Träume und Visionen. Die Schulzeit eines 14-Jährigen Schülers geht langsam zu Ende. Je nach Fähigkeiten, Neigungen und den schulischen Leistungen werden die Weichen für die berufliche Zukunft bereits am Ende der sechsten Klasse gestellt. P. besucht zurzeit die 3. Realklasse. Sein grosser Wunsch ist es eine Lehrstelle als Informatiker zu finden. Was ich ahnte wurde auch vom Berater der Berufsinformationsstelle BIZ in Zug bestätigt. Um eine Chance für diesen Beruf zu haben, ist Sekundarschule Voraussetzung. Zum Glück steigerte sich P. im vergangenen Schuljahr in seinen schulischen Leistungen markant. Gemeinsam mit seinem Klassenlehrer kamen wir zum Schluss, dass P. in die 3. Sekundarschule gehört, da er die Voraussetzungen dazu erfüllt. Mit etwas „Nachhilfe“ und dem Einsatz guter Beziehungen kann nun P. im Februar 2016 in die 3. Sekundarklasse übertreten.

P. versuchte vor den Sommerferien einen Ferienjob zu finden. Er wollte etwas Geld verdienen um sich einen Computer kaufen zu können. Leider klappten seine Bemühungen nicht. Auch ich schaffte es in der kurzen Zeit vor den Ferien trotz guter Vernetzung auch nicht für P. einen Ferienjob zu finden. Kurzentschlossen machte ich ihm das Angebot, dass er bei mir einen Ferienjob machen könne. Es standen verschiedene Arbeiten im Garten und an meiner Modelleisenbahn an. Letztere ist seit längerer Zeit wegen eines Kurzschlusses nicht mehr betriebsfähig. P. nahm das Angebot gerne an. So ging er mir während den Sommerferien zur Hand. Die Suche nach der Fehlerstelle konnte zwar eingegrenzt, jedoch bisher noch nicht behoben werden. In Anbetracht der Grösse der Anlage und deren Komplexität ist dies nicht verwunderlich. P. zeigte grosses Engagement und Interesse an der Problemlösung und steuerte eigene Lösungsvorschläge bei. Als Gegenleistung für sein Mitwirken durfte er sich, wie versprochen, den gewünschten Computer kaufen.

Da ich den Tamilenjungen S. neben P. auch weiterhin betreue, lernten sich die beiden kennen. Fussball ist ihr gemeinsames Hobby. Mit grosser Freude spielten sie in ihrer Freizeit miteinander in meinem Garten Fussball. Im Verlaufe der Sommerferien machte ich mit den Kindern verschiedene 2 Ausflüge in die Berge. Ihre Augen leuchteten, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben auf dem Gipfel des Säntis standen. Es ist mir wichtig, dass die Kinder die wundervolle Landschaft in unserem Land, wo sie aufwachsen, kennen und erleben lernen. Ich möchte ihnen die Augen für die Schönheit der Natur unseres Landes öffnen.

P. verriet mir, dass er sich in der Schweiz einbürgern lassen möchte. Gerne werde ich ihn dabei unterstützen. Auch ist er bereit Militärdienst zu leisten, was mich als ehemaligen Offizier natürlich freut. Im Rahmen des MUNTERwegs Programms hatten die Jugendlichen die Aufgabe bekommen einen Kurzfilm über sich zu drehen. Im Sommer, bei schönstem Wetter, drehten wir einige Sequenzen, die P. beim Fussballspiel mit S. zeigen. Seine grosse Passion, das Gamen am Computer und das Spiel mit seiner E-Gitarre, wurden ebenfalls im Film festgehalten. P. schnitt den Film zusammen und schmückte ihn mit Effekten und Musikeinlagen zu einem sehr ansprechenden kleinen Kunstwerk zusammen. Er führte diese Arbeit selbständig und ohne jegliche fremde Hilfe aus. Mit entsprechendem Stolz führte er seinen Film am Schlussanlass von MUNTERwegs vor.

Im Verlaufe der letzten Monate wurde mir bewusst, wie ein junger Mensch motiviert werden kann, sofern man ihm das geeignete Umfeld und Unterstützung bietet. Entscheidend scheint mir, dass man einem jungen Menschen Vertrauen schenkt, ihm sein Potenzial aufzeigt und ihn an seine Fähigkeiten glauben lässt. Oft zweifeln junge Menschen an ihren Fähigkeiten oder an ihrem Können. Es braucht jemanden, der sie aufrüttelt und ihnen den Weg zur Selbständigkeit aufzeigt. Ganz wichtig ist es, dass junge Menschen ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. Dabei können eigene Erfahrungen des Mentors wertvolle Hinweise geben. Es ist beglückend für einen älteren Menschen wie ich zu erleben wie die Tipps umgesetzt werden und Früchte tragen.

Gerne werde ich P. und seine Familie weiter begleiten und gezielt unterstützen, so lange sie es wünschen und ich dazu in der Lage bin. Jedenfalls bietet das MUNTERwegs Programm für ältere Semester eine sehr sinnvolle Möglichkeit ihre Lebenserfahrung und ihr Netzwerk für junge Menschen nutzbringend einzusetzen. Grosse Befriedigung und Freude erfüllt mich, dass ich noch gebraucht werde. Es ist eine beglückende Aufgabe einen kleinen Beitrag leisten zu dürfen, dass die jungen anvertrauten Menschen ihren Weg im Leben finden. Wenn sie dabei ihr eigenes Glück finden, können sie ein wertvolles Glied in unserer Gemeinschaft werden. Das ist erfolgreiche und nachhaltige Integration von Flüchtlingen in unsere Gesellschaft. Davon profitieren letztlich alle.

Der gemeinnützige Verein MUNTERwegs leistet nicht nur für Jugendliche Hervorragendes, sondern bietet rüstigen und jung gebliebenen Mentorinnen und Mentoren eine tolle Möglichkeit für ein soziales Engagement, das nur Gewinner hervorbringt und selbst glücklich macht. Aus den vielen schönen und positiven Erfahrungen als Mentor kann ich interessierten und hilfsbereiten Menschen empfehlen sich für die kommenden Mentoring Programme beim Verein Munterwegs zur Verfügung zu stellen. Die professionelle Begleitung durch Coachings erleichtert die Aufgabe sehr und bietet beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Betreuung der Jugendlichen.

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