Die Anfänge der intergenerativen Sportpraxis

Montag, 12.03.2012

Sport für Generationen – der neueste Trend unserer Tage? Ganz und gar nicht. Das MuKi-Turnen gibt es in der Schweiz bereits seit vielen Jahren. Auch ELKI – Eltern-Kind-Turnen –  genannt, wird im Bundesamt für Sport (BASPO) unter Familiensport rubriziert. Hier zu finden ist ebenfalls das Mutter-Kind-Schwimmen. Der Ansatz Mutter – Kind basiert auf der Zwei-Generationen-Perspektive, also der Kernfamilie und wurde mit zunehmender Emanzipierung der Männer in der Familienarbeit um das VaKi-Turnen (Vater-und-Kind-Turnen) ergänzt.

Als eine Form des Vorschulturnen (unter 5 Jahre) ab dem 3. Lebensjahr entstand dann das GroKi-Turnen – Grosseltern-Kind-Turnen. Damit wurde das Konzept von der Zwei- auf die Drei-Generationen-Perspektive erweitert. Die Pflege und Betreuung von Enkelkindern durch ihre Grosseltern hat eine langjährige Tradition. Dabei wurde nicht nur beaufsichtigt, sondern es wurden auch Kulturtechniken wie lesen und schreiben, singen und spielen vermittelt. Themen, bei denen sich Senioren-Trainer/innen heute u.a. auch in Kindergärten und Schulen unterstützend engagieren. Das Novum vom GroKi-Turnen besteht in der Sportorientierung der Beschäftigung mit den Kleinsten der Familie. Ursache dafür ist die zunehmende Sportlichkeit und der aktive Lebensstil, der sich auch im höheren Erwachsenenalter durchsetzt. Verstärkt wird dieser Trend durch die steigende gemeinsame Lebenszeit von Enkeln und Grosseltern mit dem permanenten Anstieg der Lebenserwartung. Dieser Tendenz entgegen wirken allerdings die späteren Geburten der Enkel sowie das Abnehmen der 3-Generationen-Haushalte. Trotzdem haben die Generationen 1 (Grosseltern) und 3 (Enkel) und in bisher noch Ausnahmefällen auch 4 (Urenkel) immer mehr voneinander. Warum also nicht auch gemeinsam Turnen, Wandern oder Velo fahren? Die Älteren können beim Erlernen und Ausüben dieser Fähigkeiten sehr gut helfen und sich dabei selber betätigen.
Die sportwissenschaftliche Literatur widmet sich dem Thema mit einer Reihe von Büchern wie etwa Bös & Renzland , die konkrete Spielformen für Eltern und ihre Kinder entwickelten. Das letzte Buch ist aus dem Jahr 1998 – es wäre Zeit, Übungsformen für Enkel und Grosseltern zu entwickeln. Ein gutes Beispiel für intergenerative Übungen liefert Rolf Salinger mit der Beschreibung von Spielformen im Bewegungsraum Wasser „Ein Tag mit dem Enkelkind im Schwimmbad“  (PDF: 2 MB).

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Schwimmversuche. Mein Grossvater übte mit mir im Flachwasser, indem er mich mit seiner Hand unter dem Bauch vorm Untergehen bewahrte. „Du kannst schon gut schwimmen,“ lobte er meine Bewegungen. Also hüpfte ich beim nächsten Mal sofort ins tiefe Wasser und ging strampelnd unter. Das Letzte was ich gesehen habe war mein Grossvater, der im blauen Bademantel ins Wasser  sprang, um mich vor dem Ertrinken zu retten. Die Wasserbewältigung will also nicht nur gelernt, sondern auch gelehrt sein. Schwimmschulen, die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) und Senioren-Organisationen könnten demnach Programme anbieten, in denen Erwachsene nicht nur die eigene Schwimmfähigkeit überprüfen und verbessern können, sondern auch die Fähigkeit erwerben, ihren Enkelkindern den Zugang zum Wasser zu erleichtern. Mit diesen Kenntnissen können sie auch das Schulschwimmen oder andere Lehrformen unterstützen.

Blogautor: Michael Hausammann

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