Blind- Date Führungen für Generationen

Freitag, 07.06.2013

 

Sybille Kastner ist Kulturvermittlerin im Lehmbruck Museum, Duisburg. Das Museum bietet ihren Besuchenden ein breites Angebot an intergenerativen Veranstaltungen und Projekten. Zum Beispiel Blind- Date Führungen, bei denen zwei Generationengruppen, die sich vorher nicht kannten, einen Termin buchen, um gemeinsam Kunst zu betrachten. Darüber wollte ich mehr wissen und habe bei Sybille Kastner nachgefragt:

 

Warum bietet das LehmbruckMuseum intergenerative Veranstaltungen an?
Das LehmbruckMuseum möchte damit nicht nur dem demographischen Wandel Rechnung tragen, sondern darüber hinaus junge und ältere Museumsbesucher durch ein besonderes Vermittlungsprogramm in eine lebhafte Interaktion mit der Kunst und miteinander verwickeln. Im Vordergrund steht bei allen Angeboten ein beidseitiger Erfahrungsaustausch zwischen Jung und Alt.

 

Sie haben auch schon intergenerative Ausstellungskonzepte entwickelt. Wie kam es dazu?
Im LehmbruckMuseum gibt es seit langem verschiedene Angebote für Jugendliche. Seit 2007 auch ein spezielles Angebot für Menschen mit Demenz, das eine große Nachfrage erfährt. Aus diesem Erfahrungshintergrund entstand mit „Hey Alter …!“  ein intergeneratives Ausstellungsprojekt für ein breiteres Publikum. Die Erfahrungen aus diesen Projekten werden auch in Zukunft das Angebot des Museums erweitern und den Dialog der Generationen ermöglichen.

 

Wie sah eine Veranstaltung zur Ausstellung "Hey Alter…!" aus?
Eine besondere Rolle, nämlich die der Generationenbrücke, spielte bei den Veranstaltungen ein „Tagtool“, eine Art digitales Zeichenbrett. Besuchende konnten damit zu zweit zeichnen und animieren. Die Lichtprojektionen wurden mittels Beamer an die Wand projiziert. An Sonntagen konnten auch Einzelbesucher das Tagtool ausprobieren. In zwei Workshops wurde zudem gezeigt, wie man damit umgeht oder sich ein Tagtool für den Eigenbedarf zusammen baut. 
Beim Rock und Pop Workshop mit den „Goldies“, einem Seniorenchor wurden deutschsprachige Rock und Pop-Songs einstudiert. Junge und ältere Teilnehmer, die gerne singen und Lust hatten, etwas Neues auszuprobieren, waren herzlich willkommen. Abgerundet wurde das Programm durch zwei Veranstaltungen, bei denen das Tagtool und der Seniorenchor gemeinsam mit den Teilnehmern aus den Workshops in der Öffentlichkeit präsent waren.

 

Wie stellen Sie sicher, dass die Veranstaltungen für beide Seiten bereichernd sind?
Die Besucher wurden durch die Exponate angeregt, sich über Klischees, Ängste und konstruktiven Sichtweisen der Themen Jugend und Alter auszutauschen. Das spezielle Begleitprogramm für Jugendliche im Alter von ca. 14 bis 20 Jahren und Senioren ab 60+ strebte einen Dialog der beiden Generationen an. Dieser basierte auf einem beidseitigen Erfahrungsaustausch und konnte zur Entwicklung einer individuellen Position und evtl. einer  neuen Sichtweise  des Jungseins und Älterwerdens beitragen. Zudem waren Besucher, die als Ausstellungsakteure  mitwirken wollten, herzlich eingeladen, sich regelmäßig zu treffen. Sie konnten gemeinsam mit den Koordinatorinnen altersrelevante Fragen zur Ausstellung entwickeln, bei Führungen als Moderatoren agieren oder  an Sonntagen mit Besuchern „tagtoolen“ und den Dialog mit der Kunst anregen.

 

Was hat sich dadurch für das Museum geändert?
Das Museum wurde als Begegnungs- und Aktionsraum für generationsübergreifende Praxis dauerhaft etabliert, in dem eine Generationenbegegnung mittels gemeinsamer ästhetischer Erfahrung, abseits der gängigen Konventionen stattfinden kann. 

 

>> LehmbruckMuseum

 

Ein Blogbeitrag von Gaby Ruppanner 

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